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Sommerferien als Kleinhirte auf einer Allgäuer Alpe

Aktualisiert: Okt 7

Sommerferien ganz ohne Handy, Fernseher und Freunde? Für viele Kids heute unvorstellbar und für Johannes damals ganz normal. Wir haben mit ihm über seine fünf Sommer als Kleinhirte gesprochen, die er bei Bernhard Hage, von allen Bäne genannt, auf der Alpe Gund bei Immenstadt im Allgäu verbracht hat.


Griaß di Johannes! Danke, dass du dir die Zeit für uns nimmst und uns was über deine Zeit als Kleinhirte damals erzählst. Erklär doch mal, was ist ein Kleinhirte? Servus! Also ein Kleinhirte isch ein junger Hirte, der in seinen Schulferien einem Hirte bei der Arbeit hilft und in der Zeit mit dem Hirte auf der Alpe wohnt.


Und wie kommt man dazu, einer zu werden? Bei mir war’s so, dass mir in den Sommerferien immer langweilig war. Mein Onkel hat mi dann an de Bäne vermittelt, der damals seinen ersten Alpsommer auf der Alpe Gund hatte.


Gibt’s sowas wie eine Aufnahmeprüfung? I musste keine machen, bei mir war de Bäne hart gnua – also Aufnahmeprüfung pur.


Auch heute kommt Johannes noch oft auf die Alpe Gund um Bäne zu helfen. Nicht nur beim Kuchen vernichten ;)



Wie lange warst du Kleinhirte? I war von 11 bis 15 Kleinhirte, also solang i no in der Schule war.


Hättest du deine Sommer damals nicht lieber in Italien am Strand verbracht? I hatte beides. Meine Eltern sind ja doch mal in Urlaub gefahren und dann musste, durfte, wie au immer, man da mit. Da war i dann scho jede Sommerferien mal ein zwei Wochen im Urlaub. Aber trotzdem hat man wieder ziemlich schnell Heimweh gekriegt und man wollte wissen, was oben auf der Alpe alles los isch. Isch a Stuck verfallen oder sind se nochazoge? Also ob ein Schump abgestürzt isch oder ob die Herde weiter gezogen isch. Oder ob der Blitz eingeschlagen hat. Ganz egal was, das hat einen immer wahnsinnig interessiert und interessiert mi heute au immer no.


Hat dir in der Zeit auf der Alpe was vom Tal-Komfort gefehlt? I glaub als Kind fehlt einem der Tal-Komfort null Komma null. Man hat als Kind im Berg so viel zum entdecken und eigentlich auch gar keine Zeit, um über sowas nachzudenken. Da isch immer was geboten und man isch den ganzen Tag unterwegs. Also man vermisst man den Tal-Komfort definitiv nicht!




Erzähl mal bissl von deinem Tagesablauf. Wie war das bei euch auf der Alpe Gund? Der Tagesablauf isch überall a bissle unterschiedlich. Zum Beispiel bei uns gibt’s nur Jungvieh. Da geht man in der Früh oder am Vormittag zum Vieh überluage, also man schaut, ob alle gesund sind und ob alle da sind. Dann geht man wirklich zu jedem Stuck hi, luaget d Auge a, luaget d Fiaß a, ob alles passt, ob’s gscheid frisst, ob’s fett wird. Am Nachmittag steht dann meistens was anders an. Entweder schwenden, also die Flächen frei halten von Gebüsch und Unkraut, die Sachen runter sägen und dann vermotten (verbrennen). Oder zum Beispiel hagen, also Zäune machen oder Wege richten. Lauter so Sachen. Auf einer Sennalpe isch sowas a bissle anders. Zum Beispiel holen da die Kleinhirten in der Früh gegen 4 Uhr die Kühe, dass der Hirte die dann melken kann. In der Zeit gehen die Kleinhirten dann meistens nochmal ins Bett, bis der Hirte gegen 8 fertig isch mit melken. Am Nachmittag hat man wieder ähnliche Aufgaben, also schwenden, hagen, mähen, huiba (Heu machen), sowas.


Was macht einen guten Kleinhirten aus? Ein Kleinhirte muss extrem verantwortungsbewusst sein, grad beim Vieh überluage. Das muss einfach immer 100%ig passen, dass jeden Tag alle da sind und alle gsund sind. Einem Kleinhirte darf’s eigentlich nie langweilig werden, weil er immer unterwegs isch.


Was muss man unbedingt können? Den ganzen Tag laufen können.




Was sind die schönsten Momente im Sommer? Ganz klar am Anfang wieder beim hagen im Frühling und wenn’s Vieh kommt. Und natürlich der Viehscheid.


Was die schlimmsten? Die schlimmsten ist, wenn ma a Stuck verschieaße muss oder wenn a Stuck irgendwo ra fällt.


Was war das blödste was dir passiert ist? Als i Bänes Auto im zweiten Sommer, i war 12, bei der Nachbar Alpe holen musste und in Hag nei gefahren bin. Obwohl i no gar nicht Auto hob fahren können, aber i hob s Auto holen sollen und hob’s halt gmacht.


Was hast du in der Zeit gelernt, was dir jetzt noch oft hilft? Zum ersten dann doch noch Autofahren. Was mir no oft hilft isch, dass man da oben verantwortungsbewusst wird. Es wird dir beigebracht, dass du uifach dei Vieh hong muasch, egal wie schlecht’s Wetter isch, die müssen alle da sein. Handwerklich lernt man auch wahnsinnig viel. De Bäne hat mi vom schreinern bis zum klemptnern ausgebildet und mir die Motorsäge in die Hand drückt. Also alles mögliche.


Und last but not least: Kässpatzen oder Kaiserschmarrn? Kässpätzen!

Kleines Alp Lexikon

hagen: Zäune machen

Schump: weibliches junges Rind, das noch nicht gekalbt hat

Sennalpe: Alpe, auf der Kühe gehalten werden, deren Milch noch direkt vor Ort verarbeitet wird

Viehscheid: Almabtrieb

Mehr Infos zur Alpe Gund: InstagramFacebook | Website

Fotos: Nona Büchele, Katrin Hage

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