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Sommerjob auf der Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf

Was hat ein "Nordlicht" wie Johanna aus Bochum mit dem Allgäu am Hut? Und warum muss es nach dem Abi nicht unbedingt Australien oder Südostasien sein? Johanna hat vier Monate auf der Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf verbracht. Wir haben mit ihr über ihren Sommerjob auf 2013 m Höhe gesprochen.


Hi Johanna! Cool, dass du dir die Zeit nimmst! Erzähl doch mal ein bisschen was von dir. Hey, klar gerne! Ich heiße Johanna und komme aus Bochum. Was für einen objektiven Betrachter so ziemlich im mittleren Westen von Deutschland liegt aber für einen Allgäuer halt im hohen Norden, wie ich sehr schnell gelernt habe :-) Ich bin 22 Jahre alt und studiere gerade in Braunschweig. Während der Schulzeit bin ich, was Reisen angeht, nie über den Familienurlaub hinausgekommen und wollte das unbedingt nach dem Abi nachholen.



Was hast du dann nach dem Abitur gemacht? Direkt nach dem Abschlussball bin ich nach Oberstdorf gefahren und auf die Mindelheimer Hütte gegangen, um dort für fast 4 Monate zu arbeiten. Danach bin ich für den Rest des Jahres noch innerhalb von Deutschland herumgereist, um mir auch ein paar andere Teile Deutschlands anzuschauen.


Wie bist du damals auf die Idee gekommen, dich für einen so ungewöhnlichen Arbeitsplatz zu bewerben? Früher war ich öfter mit meinen Eltern zum Wandern in den Alpen und nach dem Abi wollte ich für längere Zeit aus der Heimat wegkommen, und alleine und selbständig, in einem fremden Umfeld leben. Dass ich nicht zu weit weg und in eine fremde Kultur möchte, stand auch fest und es hat mich schon immer Richtung Alpen gezogen. Richtig überzeugt war ich dann aber erst als ich auf der Kemptner Hütte mit einem dort arbeitenden Mädchen gesprochen haben, welches so überzeugt von ihrem Job war, dass Ich das unbedingt auch wollte.


Was hast du von der Zeit auf der Hütte mitgenommen? Außer Blaue Flecken von gemeinen Bettkanten? Die Fähigkeit aus einem sehr wortkargen, undeutlichen, sehr dialektbehafteten Satz eine Bestellung für ein Bier herauszufiltern. Ich bin viel offener geworden, man ist irgendwann nicht mehr so zurückhaltend und schüchtern. Vor allem weil man auf dem Berg alle Leute duzt – die erste Regel, die ich auf der Hütte gelernt habe. Das macht eine viel entspanntere Atmosphäre.



Und dann hat es dir gleich so gut gefallen, dass du im Jahr darauf gleich nochmal gekommen bist? Ja, auf jeden Fall. Das Arbeiten da oben und der Umgang mit den Gästen machen einfach Spaß! Natürlich gibt es auch weniger lustige Jobs, die erledigt werden müssen und es kann bei 6 Arbeitstagen pro Woche auch mal ganz schön zäh werden. Nicht ganz unwesentlich an meinem Wunsch zurückzukommen waren die Leute, die ich dort kennengelernt habe. Die Chefs sind unglaublich freundlich und witzig. Aber natürlich auch die vielen anderen Mitarbeiter, mit welchen man dort auf engstem (eng ist untertrieben) Raum zusammenlebt und arbeitet. Sich nicht gut zu verstehen ist also eigentlich keine Option.


Dann kennst du die Allgäuer ja schon ziemlich gut oder? Was findest du, macht einen echten Allgäuer aus? Dass man ihn unglaublich schlecht versteht. Dass er einen, wenn man hochdeutsch spricht aber auch nur verdutzt anschaut. Ich habe bei ein paar etwas älteren, urigeren, hauptsächlich männlichen Allgäuern die Erfahrung gemacht, dass sie sehr direkt sein können und einen nicht übermäßig viel betüddeln. Itt gschimpft isch globet gnua. Ich denke auch, dass wegen der Nähe zu den Bergen und des Fehlens von Großstädten die Menschen oft eine ganz andere Grundeinstellung haben. Aber das ist gerade für mich als Ruhrpott-Kind vielleicht nochmal ein größerer Kontrast.


Arbeiten wo andere Urlaub machen

Könntest du dir vorstellen auch mal für längere Zeit im Allgäu zu sein? Länger als 4 Monate? Also beispielsweise zum Studieren? Ja, könnte ich mir schon, vielleicht für den Master :-) Es wäre einfach unglaublich schön auch als Tagesausflug mal eine Wanderung machen zu können.


Und zu guter Letzt: Wenn du noch einmal 18 wärst und dein Abi frisch in der Tasche hättest: Würdest du nicht doch lieber in Australien am Stand liegen statt im August durch frischen Schnee zu stapfen um den Kompost wegzubringen? Niemals! Gerade jetzt, nachdem ich wirklich weiß wie toll es im Allgäu ist würde ich auf jeden Fall wieder dorthin. Ich denke gerade durch die Arbeit auf der Mindelheimer Hütte konnte ich das Allgäu hautnah erleben und auf eine andere Art und Weise kennen lernen. Davor war ich eher am Zweifeln, ob es nicht viel zu langweilig wäre, in Deutschland zu bleiben. Aber man darf auch nicht vergessen, was es alles im eigenen Land zu entdecken gibt. Aber Ich bin noch jung, die Welt ist so groß und es gibt so viele tolle Orte die sehenswert sind. Auch innerhalb Deutschlands. Warum also nach Australien? Dafür ist später auch noch Zeit. Außerdem trifft man in Australien wahrscheinlich auch nur Deutsche.


Vielen Dank Johanna, dass du dir die Zeit genommen hast!


Du hast Lust auf einen Tapetenwechsel und bist motiviert einen Sommer lang auf einer Alpenvereins Hütte zu arbeiten? Hier findest du Stellenangebote vom Deutschen Alpenverein.

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Fotos: Nona Büchele

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